Mit ihrem zweiten Werk bringt Elli Kutscha eine ihrer Leidenschaften in Sachbuchform mit: Embodiment. Zu Deutsch ‘Verkörperung’ und in der Wissenschaft und Praxis werden damit die Wechselwirkungen zwischen Körper, Geist und Umwelt beschrieben. In der Psychologie und auch Psychotherapie geht es häufig um das Denken und Besprechen von Probleme, das Aussprechen und Wahrnehmen von Gefühlen. Dort und in unserem Alltag fehlt es oft an der Arbeit mit und durch unseren Körper.
Genau hier setzt Kutscha an: Nach zwei einführenden Kapiteln zur theoretischen Grundlage wird das restliche Buch sich der Praxis widmen. Egal ob im Alltag, zur Stärkung der mentalen Gesundheit, zum Selbstmanagement, zum Denken, im Umgang mit mir selbst oder in Stresssituationen– auf insgesamt 231 Seiten finden sich zahlreiche praktische Übungen und Methoden, um Embodiment selbst zu erleben.
Die theoretische Hinführung macht leicht verständlich und sympathisch klar, worum es hier geht und was Embodiment kann– und was nicht. Für den weiteren Verlauf macht die Autorin klar, dass das kein Buch zum Durchlesen ist. Es liest ja auch niemand ein Kochbuch von vorne bis hinten. Sonst hätte ich 5 Wochen lang nur Vorspeisen und keinerlei Desserts im Leben. Vielmehr ist es ein Handbuch, das man zurate ziehen kann. Mit einer sympathischen und unkomplizierten Sprache werden Übungen so erklärt, dass man problemlos mitkommt und versteht, worum es geht. Inklusive der wichtigen Botschaft auf sich selbst zu achten und Übungen so zu modifizieren, dass es sich gut anfühlt. Die Übungen werden inhaltlich eingeleitet, ihr Nutzen nachvollziehbar und wissenschaftlich begründet und auch Bildmaterial zur Veranschaulichung darf nicht fehlen. Wer also schon immer ein Buch brauchte, in dem eine Person einen Stift im Mund hat oder eine Person kraftvoll in die Kamera gähnt, wird hier fündig.
Wer sich jetzt ein Buch vorstellt, dass über hundert Dehnübungen und Yogapositionen mitbringt, irrt sich. Denn spätestens nach dem Lesen und Ausprobieren des Buches wird klar: Embodiment ist überall. In der Art, wie du sitzt. In der Position deines Laptops, in deinem Gesicht und deiner (Körper)haltung gegenüber schlechtem Wetter. Es ist– wie auch “Empowerment für Aktivist*innen– ein an der Praxis und Lebensnähe orientiertes Sachbuch.
Das Buch besticht mit einem sympathischen und unkomplizierten Schreibstil, als wäre es kein Buch, sondern ein nettes Gespräch mit Elli. Die Übungen sind verständlich begründet und erklärt, die Kapitel machen es zusätzlich leicht, die richtige Methode für die Situation zu finden. Damit ist das Buch nicht nur für psychologische Fachkräfte, sondern für alle, die mit Menschen oder Körpern (mehr) arbeiten wollen. Das Manko, dass man es nicht am Stück durchlesen und sich danach schlauer fühlen kann, muss ich persönlich mitgeben. Aber das liegt an mir und meinem grundsätzlichen “verkopft sein”. In diesem Sinne ist das Buch wohl genau richtig für mich. Es wird nicht nach ein paar Wochen im Schrank landen und vergessen werden, sondern irgendwo greifbar bleiben. Für das richtige Embodiment für zwischendurch.
Fazit: In ihrem zweiten Werk führt Elli Kutscha ein in die Welt des Embodiments, in die wissenschaftlichen Hintergründe und bringt über 100 praktische und leicht verständliche Übungen mit. Damit kann jede*r anfangen, mehr in dem eigenen Körper und dem Hier und Jetzt zu leben und die Verbindung zwischen Körper, Geist und Umwelt wieder stärken. Eine empfehlenswerte Lektüre und Praxiserfahrung.
+ Das vorliegende Buch ist ein unbezahltes Rezensionsexemplar +
Kutscha, Elli (2025). Embodiment entdecken – körperliche Ressourcen nutzen. [Psychosozial-Verlag].