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Mikro Trauma – Wenn kleine seelische Verletzungen krank machen

Disclaimer: Beim vorliegenden Exemplar handelt es sich um ein Rezensionsexemplar.

Das Buch „Mikrotrauma“ von Sonja Unger ist in meinen Augen eine sehr umfangreiche und dennoch kompakt gehaltene Auseinandersetzung mit dem zuvor wenig beachteten Thema der Mikrotraumata. Unger, eine erfahrene Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin, beleuchtet in ihrem Werk die oft übersehenen kleinen seelischen Verletzungen des Alltags, die dennoch tiefgreifende Auswirkungen auf unser emotionales und psychisches Wohlbefinden haben können.

Auf theoretischer Ebene bietet das Buch eine fundierte Einführung in die Themen Trauma und Mikrotrauma, wobei wichtige Abgrenzungen, beispielsweise zum Burn-out, vorgenommen werden. Unger erläutert, dass nicht jede psychische Erkrankung aus einer persönlichen Schwäche heraus entsteht und niemand als „verrückt“ abgestempelt werden sollte. Sie betont, dass psychische Erkrankungen der Behandlung durch ausgebildete Fachpersonen bedürfen und dass auch „kleine seelische Verletzungen“ ernst genommen werden müssen.

Keine einzige psychische Krankheit entsteht aus einer persönlichen Schwäche heraus. Niemand ist verrückt.

Sonja Unger

Das Buch ist in drei Fallgeschichten aus der psychotherapeutischen Praxis eingebettet, die die theoretischen Konzepte greifbar machen. Diese Fallbeispiele werden sensibel eingebracht und stets aus einer vielschichtigen Perspektive betrachtet.

Der Hauptteil des Buches besteht aus bereitgestellten Übungen, die verschiedenen großen Bereichen zugeordnet sind, um ‘Mikrotraumata zu überwinden’. Diese Übungen zielen darauf ab, Stabilität herzustellen, Kindheitserfahrungen zu erkennen und zu verarbeiten, mit aktuellen oder späteren Lebenserfahrungen umzugehen, Symptome zu managen und die eigene Resilienz zu stärken. Die Übungen sind sowohl für Fachpersonen als auch für Interessierte und Betroffene geeignet und können sowohl alleine als auch begleitend durchgeführt werden.

Alle Teile des Buches sind gut verständlich geschrieben und nachvollziehbar – auch für Nicht-Psychologinnen. Besonders hervorzuheben ist die wertschätzende und unaufgeregte Art der Kommunikation. Unger stellt die Umstände von Mikrotraumata als „eine Möglichkeit“ dar und macht deutlich, dass es weder die eine Erfahrung gibt, die immer (Mikro-)Trauma auslöst, noch dass es ein dramatischer Umstand ist, Mikrotraumata erlebt zu haben. Auch bei den Übungen wird erwähnt, dass diese helfen können, aber nicht müssen. Die Verantwortung für Inhalt und Umsetzung liegt stets bei den Leserinnen und Lesern.

An manchen Stellen hätte ich mir als neugieriger Psychologe mehr Informationen oder Abbildungen gewünscht. Das Diathese-Stress-Modell beispielsweise bietet sich zur Veranschaulichung als Grafik an, anstatt nur als wörtliche Beschreibung. Dennoch konnte ich viele praktische Übungen markieren und werde prüfen, ob ich diese für mich selbst oder für Klient*innen ausprobieren kann.

Insgesamt stellt „Mikrotrauma“ eine wertvolle Ressource für alle dar, die sich mit dem Begriff Trauma, Traumafolgestörungen und der Rolle kleiner seelischer Verletzungen beschäftigen möchten. Es schlägt eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und praktischer Anwendung, ohne den Trauma-Begriff zu verwässern.

Eine klare Leseempfehlung für Fachpersonen, Interessierte und Betroffene.