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Mein Gehirn, dein Gehirn, unser Gehirn.

Wir alle haben es, wir alle nutzen es: Das Gehirn. Autor Jens Foell nimmt uns mit in unser Denkorgan!

Zur Beschreibung des Buches ließe sich eigentlich Foells Vorgängertitel zur Hand nehmen: Foellig nerdiges Wissen. Nur in Bezug auf Neuropsychologie, dein Gehirn und deine Psyche. Auf den 235 Seiten im Droemer-Verlag veröffentlicht bringt dir der 2026er-Foell einen bunten Blumenstrauß an Gehirnwissen mit. Ein Sachbuch, das ich mir als Psychologe und als Foellower (ist das eine angemessene Wortneuschöpfung für die Menschen, die Jens auf sozialen Netzwerken folgen?) nicht entgehen lassen konnte.

Die drei Substantive aus dem Titel haben es auch ins Inhaltsverzeichnis geschafft. Drei große Kapitel führen die Leser*innen durch das Wissen über unser Gehirn. Alles fängt an mit der großen Walnuss in unserem Kopf, dem Gehirn: Wie ist es überhaupt aufgebaut, wie funktioniert es (so grob) und wie kann es sich schützen und ausruhen? Danach geht es weiter in das Denken bzw. konkreter in Themen wie Intelligenz, Denkfehler und Lernen. Im letzten Kapitel geht es um dich, die lesende Person: Hast du einen freien Willen? Würdest du bei beobachteten kritischen Situationen eingreifen? Macht dich die Weltlage auch hoffnungslos? Nach all diesem neuen Wissen gibt uns Foell noch einmal eine Zusammenfassung über unser Gehirn, seine Wartung und Pflege. Nicht rauchen, viel schlafen und kluge Bücher lesen – nur um mal drei willkürliche “Tipps” zu nennen.

Durch die drei aufeinander aufgebauten Kapitel lässt sich der ganzen Menge an Informationen gut folgen, wie einer Geschichte. Dadurch sowie durch eingängige Erklärungen stellt der Autor sicher, dass es uns beim Lesen an keinen Hintergrundinfos fehlt. Dabei ist die Sprache Foells leicht verständlich, alltäglich und geschmückt mit Anekdoten, Erzählungen und nerdigen Vergleichen. Als würde man uns die Komplexität des Gehirns abends in der Kneipe am Stammtisch erklären. Statt Stammtischparolen und Vereinfachungen gibt es jedoch unterhaltsam präsentiertes Fachwissen, Differenzierungen und Einordnungen eines Wissenschaftlers. Die Quellen und Verweise sind nicht im Text angegeben, sondern am Ende des Buches so aufgelistet, dass man sie gut dem Text zuordnen kann. Dieser Anspruch an Wissenschaftlichkeit ist auch ersichtlich bei dem Aufräumen mit falschem oder undifferenziertem Wissen. Es freute mich beim Lesen sehr, dass Foell nicht nur mit dem Intelligenz Quotient aufräumt, sondern auch altbekannte Konzepte wie Seligmans erlernte Hilfslosigkeit einmal unter die Lupe nimmt und richtigstellt. Wir dürfen und sollten den Anspruch an uns und Wissenschaft haben, dass sich Erkenntnisse nunmal ändern. Das ist das Schöne an Wissenschaft: Sie ist wandelbar, anpassungsfähig und kritikfähig. Oder sollte es zumindest sein.

Lehrreich, kurzweilig und unterhaltsam. Mit nur 235 Seiten ist es kein dicker veganer Schinken und die kurzen Kapitel als Einheit machen es einfach, das Buch immer mal zwischendurch zu lesen. Dabei überzeugt Foell mit einer treffenden Vereinfachung komplexer Sachverhalte, mit präziser Differenzierung und einer Menge Humor und Persönlichkeit. Dadurch ist es nicht nur für fachliche Laien geeignet, die mehr über das Gehirn erfahren möchten, sondern auch für ausgebildete Fachkräfte. Als Psychologe war mir ein Großteil des Inhaltes bereits fachlich bekannt, aber die Präsentation durch Foells Worte machte es dennoch zu einer lesenswerten Lektüre. Es entsteht der Eindruck, dass der Autor nicht nur weiß, wovon er da redet, sondern es auch mit Leidenschaft und Begeisterung teilt. Nach der Lektüre ist das komplexe Gehirn zwar immer noch komplex, aber wir wissen dann immerhin wieso es das ist und wofür das gut ist. 

Jens Foell führt auf den knapp 230 Seiten durch die Komplexität des Gehirn, erklärt uns dessen Struktur, die Funktionsweise des Denkens und wie Gehirn und Denken sich auf uns als Person, Entscheidungen und Leben auswirken. Trotz der fachlichen Tiefe bleibt das Buch stets verständlich, niedrigschwellig präsentiert und mit einer Prise Humor und Persönlichkeit gewürzt. Eine klare Empfehlung für alle, die mehr über diesen faszinierenden Zellhaufen, der unser Leben bestimmt, erfahren möchten.

Das vorliegende Exemplar ist zur Rezension vom Verlag zur Verfügung gestellt. [Hier] geht es zum Buch.