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Die Darstellung von Sachsen-Anhalt

„Im Osten ist doch alles gleich!“, heißt es zur Zeit oft, im Angesicht der anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt. Aber ist das so und tut uns das nicht allen weh, so zu denken?

Es sind Artikel wie der in der Zeit, die jetzt auftauchen und immer wieder bin ich überrascht, genervt und enttäuscht darüber, wie die hiesigen Bundesländer porträtiert werden. Dabei möchte ich gar nicht explizit Bezug nehmen auf den Journalisten Daum, der folgenden Anfang des Artikels schrieb.

Das Land ist endlos, wild und leer. Von der AfD erwarten die Leute dort eine Art Wiedergeburt. Im Norden Sachsen-Anhalts zeigt sich, wie einsam ein Bundesland sein kann.

In meinem Beitrag zur Repräsentation schrieb ich ja bereits, wie die Wortwahl und Darstellung uns beeinflusst. Viele Menschen waren noch nie in Sachsen-Anhalt und alles, was sie kennen, sind solche Artikel und Wahlergebnisse. Aber wer denkt an Sachsen-Anhalt und sieht diese Bilder vor sich?

Es sind Sätze wie dieser, die im außen ein Bild von Sachsen-Anhalt zeichnen. Sätze, die im Gedächtnis bleiben und innere Bilder schaffen.

„Das ist die trostloseste Gegend, die ich je gesehen habe. Ich war froh, wieder wegzudürfen.“

Seit 2015 wohne ich hier in Sachsen-Anhalt, in Halle. Gut, zugegebenermaßen ist es auch die zweitgrößte Stadt in Sachsen-Anhalt. Es gibt genau zwei Städte, die die 100.000 Einwohner überschreiten – Halle und Magdeburg. 22 Städte sind noch ‚Mittelstädte‘ (20.000-100.000). Der Rest? Kleiner.

Ich weiß zugegebenermaßen nicht, wie sich das Leben außerhalb der Stadt abspielt. Weiß nicht, wie ein Alltag in Bitterfeld aussieht. Wie sich die Politik in der Börde anfühlt. Doch ich weiß, dass ich hier im selben Bundesland lebe, dass die letzten Wochen immer wieder durch den braunen Kakao gezogen wird.

Und dann denke ich mir so: Könntet ihr damit aufhören?

Ja, wir haben hier zuletzt ~40 % Stimmen für die Blauen, aber es ist immer noch kein ‚Fascholand‘ und kein verlorenes Bundesland. Und eine Mauer wieder aufbauen müssen wir auch nicht. Ich und all die anderen Antifaschist*innen hier wissen, dass es hier rechtsextreme Parteien, Organisationen und Menschen gibt. Wir wissen aber auch, dass das nicht alle betrifft und wir uns bemühen, laut und stark zu sein.

Die Sonntagsfrage zeigte 40 % der Stimmen bei der rechten Partei. Man glaubt, es würden 40 % der Sachsen-Anhalter stark rechts wählen. Das ist statistisch und strukturell aber falsch gedacht:

  • Erstens bedeuten 40 % der Stimmen bei den Blauen, dass 60 % der Stimmen nicht dort sind
  • Zweitens sind es Hochrechnungen für diejenigen, die wählen dürfen. Kinder, Jugendliche und zahlreiche migrantische Mitbürger*innen dürfen nicht wählen. Das betrifft rund 385.000 Menschen.
  • Drittens gibt es Menschen, die hier nicht wegkönnen. Und Menschen, die es hier sogar mögen – trotz Erstarken faschistischer Kräfte.

Christian Gesellmann war für Krautreporter in der Altmark. Es gibt dort und hier Menschen wie Brit, die sich darum bemühen, dass es hier ein Miteinander geben kann. Es gibt so viele Menschen, Themen und Engagements, die außerhalb der AfD stattfinden. ‚Die Mehrzahl der Leute hier sind keine Nazis‘, sagt man Christian.

Zurück nach Halle, in mein Leben. Vor ein paar Wochen war ein blauer Infostand in der Innenstadt, vor einer Kirche. Mit prominenter Besetzung. Als ich mich der Gegendemonstration anschloss, stellte ich fest: Wir waren zwei- bis dreimal so viele Menschen wie Interessierte am Infostand.

Denn auch das ist Halle, das ist Sachsen-Anhalt: Wir haben Bündnisse wie Halle gegen Rechts. Es gibt tolle Menschen wie Max Schneller, der für die TAZ zum Thema Antifaschismus in Sachsen-Anhalt schrieb.

Gerne möchte … will (!) ich es halten, wie Max es schreibt:
„Sachsen-Anhalt ist nicht verloren. Nicht, solange wir noch hier sind. Also kämpft für diese Demokratie. Sonst kämpft sie bald nicht mehr für euch.“


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