Gesichert rechtsextrem / rechtsextremistisch. Die Rede ist von der AfD Sachsen-Anhalt. Verfassungsschutzchef Hollmann erklärt die Prüfungen aus den Jahren 2021 und 2022 gegenüber der Tagesschau:
Der Landesverband vertritt nicht nur weiterhin verfassungsfeindliche Positionen, die zur Einstufung als Verdachtsfall geführt hatten, sondern hat sich vielmehr seit der Corona-Pandemie derart radikalisiert, dass eine systematische Beobachtung unter Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel gerechtfertigt ist.
Nun sitze ich hier, im September 2026, und sehe die neue Folge des logo!-Kinderfernsehens des ZDF, indem kindgerecht Themen erklärt werden. Am 03. September 2026 anlässlich der anstehenden Landtagswahl ein Interview mit zwei ganz besonderen Herrschaften: CDU’ler Sven Schulze und AfD’ler Ulrich Siegmund.
„logo! ist die einzige tägliche Nachrichtensendung für Kinder in Deutschland. Und hat eine wichtige Aufgabe.“, schreibt das ZDF auf der Website. Es ist toll, dass es eine Nachrichtensendung für Kinder gibt. Der Öffentlich-rechtliche Rundfunk leistet hier und grundsätzliche eine wichtige Aufgabe.
Wie er die zu erfüllen hat, steht übrigens auch in den Qualitäts- und Programmrichtlinien (mit Fassung vom 30.06.2023). Da stehen Punkte drin, wie die Wahrung der Menschenwürde (I, Abs. 1) . Das ZDF leistet einen Beitrag zur Anerkennung der grundgesetzlichen Werteordnung (I, Abs. 2). Das ZDF fördere mit sienen programmlichen Angeboten Diversität und Inklusion sowie Gleichstellung und Chancengerechtigkeit (II, Abs. 4). Es geht um die Unterstützung der Grundsätze des demokratischen und sozialen Rechtsstaates (III, Abs. 1).
Da frage ich mich ganz ehrlich, als Medienwissenschaftler, als Bürger, als Fan des ÖRR, wie das alles zusammenpasst mit einer gesichert rechtsextremistischen Partei. Ein Kindergerechtes Format lässt eine Person zu Wort kommen, für die die NS-Zeit und ihre Verbrechen nicht so wichtig zu bewerten sind und die 2023 Teil der Wannseekonferenz 2.0 in Potsdam war, einem rechtsextremistischen Treffen. Von Kontakten und der Zusammenarbeit mit der Identitären Bewegung und der Heimattreuen Deutschen Jugend mal ganz abgesehen.
Falls du also auch etwas dagegen hast, dass ein Politiker einer rechtextremistischen Partei im Kinderfernsehen seine antidemokratische Politik verbreitet, dann darfst du dich gerne beim ZDF bzw. dem Fernsehrat beschweren.

Das Ganze passiert nicht anonym, das Formular erfordert Name und Adresse. Was ich auch irgendwo gut finde, um einem Missbrauch des Formulars zu entgehen. Andererseits heißt es dann – in irgendeiner Datenbank – dass der Sascha sich beschwert hat. Inklusive Adresse. Naja, Demokratie lebt vom Mitreden und Diskutieren. Wenn du Ideen für den Beschwerdetext brauchst, sind hier einige Vorlagen.
Vorlage 1, von mir:
Liebes ZDF,
als Bürger Sachsen-Anhalts blicke ich aus demokratischen Ansprüchen mit Sorge auf die anstehende Wahl und die Umfrageergebnisse einer gesichert rechtsextremen Partei wie der AfD. Dass diese nun nicht nur inhaltlich in einem Kinderprogramm wie LOGO besprochen wird, sondern mit Ulrich Siegmund auch noch einen offen rechten Politiker ins Gespräch zulässt, halte ich für problematisch.
In den journalistischen Grundwerten des ZDF stehen neben der Würde des Menschen und der Anerkennung des Grundgesetzes auch eine Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben. Das ZDF fördert Diversität, Inklusion, Gleichstellung und Chancengerechtigkeit, heißt es in Punkt II Absatz 2 der Qualitäts- und Programmrichtlinien.
Es ist mir ein Rätsel, wie dies im Einklang stehen kann mit der Einladung eines Politikers einer gesichert rechtsextremen Partei, der die NS-Zeit nicht bewerten mag, der aktiv mit der identitären Bewegung und Neonazis der Heimattreuen Deutschen Jugend zusammenarbeitet und zudem im November 2023 am Rechtsextremisten-Treffen in Potsdam teilnahm.
Ich halte es für einen verheerenden Weg, durch die Präsenz solcher Personen eine Normalität zu vermitteln, als seien rechtsextreme Politiken der AfD ein „normaler Teil“ der politischen Landschaft und ein „auszuhaltender Teil der politischen Vielfalt.“ Als öffentlicher Rundfunk eine Partei in ein Kinderprogramm einzuladen, die aus dem Rundfunkvertrag aussteigen möchte, ist eine ‚interessante‘ Wahl.
Das Einladen von Politiker*innen einer gesichert rechtsextremen Partei verletzt mehrfach die Qualitäts- und Programmrichtlinien der ZDF-Angebote (mit Fassung vom 30.06.2023).
Mit freundlichen Grüßen
ein enttäuschter Freund des Öffentlichen Rundfunks
Vorlage 2, anonyme Zusendung
Sehr geehrtes Gremium, hiermit beschwere ich mich über die Sendung logo vom 3.9.26 mit folgendem Grund: Ein Kandidat eines gesichert rechtsextremen Landesverbandes darf im Interview rechtsextreme Propaganda vor Kindern verbreiten, die das noch nicht einordnen/verstehen können. Das ist ein Verstoß gegen den Jugendschutz. Ich bin erschrocken über diese Logo Sendung. Nicht nur darf der AfD-Kandidat ungehindert im Interview Propaganda verbreiten, mit dem Schnitt/Gegenschnitt-Format mit dem CDU-Kandidaten vermittelt logo den Kindern auch noch ganz aktiv, dass die Afd eine Partei sei wie die CDU. Dass sie „normal“ sei.
Ich möchte bitte auch nichts hören zu „alle abbilden“ und „Neutralität“ und Rundfunkstaatsvertrag. Das ist hier kein legitimes Argument. Um alle abzubilden ist Logo keinesfalls gezwungen ein Interview mit einem Kandidaten aus einem rechtsextremen Verband zu führen. Um „alle abzubilden“ kann auch der Moderator erklären was im Wahlprogramm der Afd Sachsen-Anhalt steht und was die Probleme mit dieser Partei sind. Auch ein Expert*innengespräch im Studio könnte das leisten. Ein Interview ist nirgends von Nöten oder ein Muss. Das Abbilden aller Parteien ist anderweitig vollkommen ausreichend möglich.
Darüber hinaus kann auch nicht von „alle abbilden“ die Rede sein, da überhaupt nur 2 – AfD und CDU – interviewt wurden. Bei Argumentation „die beiden stärksten“ greift widerum wieder das Argument, dass es dafür keineswegs ein Interview braucht. Sollte die Interviewer*in minderjährig sein, macht es die Sache noch schlimmer. Eine weiter Verletzung des Jugendschutzes. Auch die Frage nach dem Lieblinsschulfach als Einstieg, um den Afd-Kandidaten den Kindern sympathisch zu machen und Identifikation mit den Kindern zu bieten, geht absolut überhaupt nicht!
Abschließend ist zu sagen, dass es nicht sein kann, das logo rechtsextreme Propaganda (denn diese wurde im Interview unwidersprochen verbreitet, siehe zb Extraschulklassen) an Kinder versendet. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass das Kinderprogramm des ÖRR ein Schutzraum ist, in dem Kinder- und Jugendschutz oberste Priotität hat. Und wo Kinder nicht mit rechtsradikalem Gedankengut indoktriniert werden. Die Normalisierung des Afd-Kandidaten gegenüber Kindern, die das nicht einordnen können und nicht verstehen (Kernzielgruppe 8-12 Jahre!), ist unfair gegenüber den Kindern und empörend.
Mit freundlichen Grüßen
Selbstverständlich kannst du auch deine eigene Beschwerde schreiben, andere Begründungen nutzen. Wir dürfen eine Stimme haben und teilhaben an der deutschen Medienlandschaft – v.a. am ÖRR.
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