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Hoffnung statt Untergang

Beim Lesen des Titels kommt ein Gefühl auf, über das die Autorin im späteren Verlauf des Buches auch spricht: Hoffnung. In ihrem 2026er-Werk, herausgegeben im Bastei Lübbe Verlag, “Der Untergang kann warten – wie wir in Krisenzeiten Hoffnung schöpfen” nimmt uns Pia Lamberty mit durch die Krisen der Welt. Zum Glück nicht durch alle und zum Glück auch nicht in echt. Ein psychologisches Sachbuch, an dem für mich in dieser krisenbehafteten Zeit kein Weg vorbeiführte.

Das Buch bringt die drei großen Säulen des Kohärenzgefühls mit. Was braucht ein Mensch, damit sich die Welt und seine Existenz als zusammenhängend anfühlt? Es geht um das Verstehen, das Bewältigen und das Sinnerleben. Zu Beginn des Buches wartet auf uns auch ein Kohärenztest, bei dem wir mit ein paar Kreuzen herausfinden können, wie kohärent wir unsere Welt erleben. Den Test gibt es automatisch auswertbar auch auf Lambertys persönlicher Webseite (https://pialamberty.de/meine-buecher/test-kohaerenz/).

© Bastei Lübbe AG

Mit der ersten Säule ‚Verstehen‘ bringt uns die Autorin drei Kapitel, die uns einführen in das Thema Krisen, Katastrophen und Kriege. Es geht um Radikalisierung, um Feindbilder und eine wankende Demokratie, die wir nicht nur in Deutschland erleben. Was macht all das mit unserer Psyche? Wie gehen Menschen mit erlebten Krisen um? Wir lernen Gefühle kennen wie Angst, Schuld oder Wut. Da unser Gehirn nicht immer von sich aus den Fokus auf Fakten richtet, sondern sich manchmal ganz neue Dinge ausdenkt, bespricht Lamberty auch die Rolle von Fakten und die Arbeit unseres Gehirns. Das Wissen um Inhaltsverzerrungen kann helfen, um gegen sie anzukommen.

Die zweite Säule ‘Bewältigen’ bringt uns genau das mit: Wissen, Auseinandersetzungen und Tipps für einen Umgang mit…der Welt. Individuelle Selbstfürsorge, Community-Care und Gemeinschaft im Krisenfall. Denn welche Krisen sich auch immer ereignet haben und ereignen werden: Wir sind uns zwar selbst die nächste Person und als einzige Person in Kontakt mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen, aber ohne die Gemeinschaft wird daraus langfristig nichts.

Zur dritten Säule ‚Sinnerleben zeigt uns Lamberty auf, wie wir trotz Krisen und Ungewissheiten ins Erleben von Sinn und Bedeutung kommen. Warum und wofür will ich leben? Welche Werte und Ziele habe ich? Zum Abschluss dann das Thema, das ich mir für uns alle wünsche: Hoffnung. Wie orientieren wir uns an einer guten Zukunft, ohne die negative und krisenbehaftete Gegenwart zu verkennen? Wie betrachte ich die Probleme des Heutes, ohne mich davon lähmen und einkriegen zu lassen?

“Der beste Schutz vor Kriegsangst ist und bleibt eine friedlichere Welt. Gerade deshalb ist es wichtig, handlungsfähig zu bleiben. Denn Frieden entsteht nicht einfach so, sondern erfordert Kraftanstrengungen von allen.“ 

In neun inhaltlichen Kapiteln führt die Autorin leicht verständlich und dennoch fachlich fundiert durch das Thema Krisen und Krisenbewältigung. Dabei ist das ganze keine trockene Vorlesung: Lamberty spricht über reale Fälle und das Erleben von Personen, fundiert ihr Wissen nicht nur mit eigener Lektüre sondern auch mit den Worten zahlreicher Expert*innen. Die Fachwort- und Expertendichte in dem Buch ist hoch und das ganz ohne zu überfordern. Nach jedem Kapitel erhalten wir eine kleine Infobox mit den wichtigsten Punkten aus dem Kapitel. Und wer am Ende doch noch mehr lernen und lesen will: Es gibt 30 Seiten an Anmerkungen, Literatur- und Quellenangaben. 

Es war mein erstes Buch, das ich von Pia Lamberty las, aber sicherlich nicht das Letzte. Die Autorin überzeugt mit der gut verständlichen Mischung aus Fachwissen und aufgezeigter Alltagsrelevanz. Ich hatte stets das Gefühl, genau zu wissen, wofür diese Inhalte wichtig sind. Selbst bei Fachbegriffen und fachpsychologischen Konzepten wurde klar: “Ach, dafür ist das gut!”. Trotz der fachlichen Tiefe und Schwere des Themas verspürte ich beim Lesen einen Hauch von Hoffnung. All das Wissen, all die zu Wort gekommenen Expert*innen und die wichtige Arbeit, die Lamberty hier investierte, zeigten ganz klar: Ich bin nicht allein mit Krisen. Wir sind nicht allein in dieser Welt. Damit kann ich das Buch sowohl Fachkräften empfehlen, die mit Krisen umgehen müssen als auch all denjenigen, die privat mit den Herausforderungen der Welt nicht immer klarkommen. Weil wir das auch gar nicht können. Hier und da nicht klarzukommen gehört zum Leben dazu. Ich habe die Zeit mit dem Text genossen, sowohl in kurzen Sitzungen zwischendurch als auch in längeren Leseeinheiten. Ein Buch, das man jederzeit weglegen kann und das sich über deine Rückkehr freut. 

Mit “Der Untergang kann warten” bringt Pia Lamberty das Konzept der Kohärenz mit Blick auf die krisenhafte Weltlage zur Geltung: Was brauchen wir zum Verstehen? Wie können wir Krisen bewältigen? Welchen Sinn finden wir in uns und der Welt? Das Buch ist eine klare Empfehlung wert und auch die Arbeit von Pia Lamberty verdient die Aufmerksamkeit. Ihre Webseite hält zusätzlich viele tolle Ressourcen bereit. Denn wir sind nicht alleine auf dieser Welt und dürfen voneinander lernen und miteinander leben und wachsen.

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