Zum gestrigen Tage meldete die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung: Der GKV-Spitzenverband wertet die Vergütung der ambulanten Psychotherapie um 4,5 % ab. Ab dem 01.04.2026 ergibt sich dadurch für Therapeut*innen eine noch schlechtere Versorgungssituation als bisher. [Zur Meldung vom 11.03.] [Zur Stellungnahme vom 12.03.]
In diesem Artikel findest du:
- eine kurze Zusammenfassung, was das Problem ist
- andere tolle zusammenfassende Artikel verlinkt
- eine Liste von Demonstrationen deutschlandweit dazu
- Webseite und Instagram-Kanäle aus der Bewegung „Aktionsbündnis Psychotherapie“
- Email-Adressen von Institutionen und Politiker*innen
- Textvorlagen für E-Mails, die DU senden kannst
Warum ist das ein Problem für die Psychotherapie?
Psychische Erkrankungen betreffen rund 27-30 % der Erwachsenen jährlich und zählen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Es wäre also auch ein finanzielles Anliegen von Staat, Unternehmen und überhaupt. Weiterhin zeigt sich: Psychotherapie wirkt. Meta-Analysen zeigen große positive Effekte bei der Behandlung von psychischen Störungen und es kann von verbesserter Lebensqualität sowie Funktionsfähigkeit berichtet werden.
Eine zeitnahe und gute psychotherapeutische Behandlung ist auch ökonomisch sinnvoll: Es kann langfristig gespart werden durch weniger Krankenhausaufenthalte, weniger Arbeitsausfälle und geringere Gesundheitskosten. Es sind also relativ niedrige Behandlungskosten, durch die hohe gesellschaftliche Kosten vermieden werden können.
Auch gilt, dass eine frühe Therapie Chronifizierungen verhindern kann. Denn Erkrankungen, die zu spät oder gar nicht behandelt werden, können chronisch werden. Eine Spontanremission ohne Psychotherapie ist unwahrscheinlich. Ein früher Zugang zu Psychotherapie reduziert also nicht nur die Krankheitsdauer sondern verbessert auch langfristige Prognosen.
Schon jetzt, ohne Kürzung, zeigen Studien, dass Betroffene mehrere Monate bis Jahre Wartezeit auf einen Platz in der Psychotherapie erleben. Wenn nun hinzu kommt, dass die Praxen wirtschaftlich noch unsicherer werden, dann wird das nicht besser. Womöglich weniger Praxen, weniger kassenärztlich abrechenbare Arbeit (Privatpatient*innen statt Kassenabrechnung).
(Informationen vom deutschen Deutschen Psychotherapie Kongress)
Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen und Verbündete können sich einer Telegram-Community anschließen, die sich gegen die beschlossene Kürzung formiert und deutschlandweit vernetzt ist, Demonstrationen organisiert.
Weitere tolle Zusammenfassungen zum Thema, mit anderen inhaltlichen Schwerpunkten, finden sich auch bei:
- Annsophie Völkner auf ihrer Seite Psylearn [zum Artikel]
- Florian Lampersberger auf seiner Seite Couch und Agora [zum Artikel]
Demonstrieren und laut sein!
Mehr Infos zur Aktion findest du auf der Webseite aktionsbuendnis-psychotherapie.info und auf psychotherapie-retten.de
Auf Instagram findest du die Bewegung unter:
- Hauptkanal – aktionsbuendnis.psychotherapie
- Kanal Berlin – psychotherapie.sichern
- Kanal München – psychotherapie.protest.muc
- Kanal Hannover – psychotherapie.protest.h
- Kanal Heidelberg / Mannheim – psychotherapie.protest.hd.ma
- Kanal Erfurt – psychotherapieaktionerfurt
- Kanal Nordbayern – Psychotherapie.protest.nb
- Kanal Koblenz – psychotherapiekoblenz
- Kanal Leipzig – psychotherapie.protest.leipzig
- Kanal Kassel – pt.verteidigen.ks
Es ist wichtig, es nicht einfach anzunehmen, sondern darüber sprechen. Teile Inhalte dazu auf den sozialen Medien. Fülle Petitionen aus wie diese hier auf change.org.
Darüber hinaus kannst du E-Mails senden an zuständige Stellen, wie beispielsweise:
- Das Bundesministerium für Gesundheit (poststelle@bmg.bund.de)
- Der Gesundheitsausschuss des Bundestages (gesundheitsausschuss@bundestag.de)
- Der Spitzenverband gesetzlicher Krankenversicherungen (kontakt@gkv-spitzenverband.de)
Auch E-Mails an Politiker*innen sind möglich, wie bspw. Tanja Machalet (tanja.machalet@bundestag.de)als Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, oder auch an Abgeordnete aus deinem Wahlkreis (→ Wer das ist, findest du u.a. auf https://www.bundestag.de/abgeordnete). Die gesundheitspolitischen Sprecher*innen der Parteien freuen sich sicherlich auch über digitale Post:
- Nina Warken, Bundesgesundheitsministerin (nina.warken@bundestag.de)
- Ates Gürpinar, die Linke (ates.guerpinar@bundestag.de)
- Janosch Dahmen, Bündnis 90 / Die Grünen (janosch.dahmen@bundestag.de)
- Christos Pantazis, SPD (christos.pantazis@bundestag.de)
- Tino Sorge, CDU (tino.sorge@bundestag.de)
Aus der Protestbewegung von Psychotherapeut*innen gibt es bereits zwei Vorlagentexte, die du entweder kopieren kannst oder über den von mir erstellten Link direkt in deinem E-Mail-Programm öffnen kannst. Die Direktlinks sind adressiert an das Bundesministerium für Gesundheit, den Bundesausschuss für Gesundheit und den GKV-Spitzenverband.
Wichtiger Tipp/Hinweis: Setze mehrere Empfänger*innen nicht alle in das AN-Feld, um den Anschein einer Massen-Email zu vermeiden. Sende mehrere E-Mails oder stecke mehrere Adressen in das BCC-Feld. Auch ein persönlicher Betreff bei bspw. den Abgeordneten deines Wahlkreises ist möglich:
„Dringend: Versorgungsnotstand in [Dein Ort/Wahlkreis] durch Honorarkürzung zum 01.04.“
Textvorlagen für Emails
[Hier klicken und über dein Email-Programm versenden]
Betreff: Massiver Protest gegen die zum 01.04.2026 beschlossene Honorarkürzung für Psychotherapie
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit diesem Schreiben protestiere ich in aller Deutlichkeit gegen den Beschluss des Bewertungsausschusses, die Honorare für psychotherapeutische Leistungen zum 1. April 2026 drastisch, um 4,5% abzusenken.
Dass in einer Zeit, in der die psychische Belastung der Bevölkerung einen historischen Höchststand erreicht hat und die Wartezeiten auf Therapieplätze unzumutbar lang sind, die wirtschaftliche Basis der ambulanten Versorgung aktiv geschwächt wird, ist ein gesundheitspolitischer Offenbarungseid.
Warum diese Entscheidung fatal ist und revidiert werden muss:
- Reallohnverlust durch Inflation: Seit 2022 sind die Kosten für Praxismieten, Personal und Energie kumuliert um etwa 16 % gestiegen. Eine Kürzung der Honorare um ca. 4,5 % (während der GKV-Spitzenverband sogar 10 % forderte) bedeutet in Kombination mit der Inflation einen massiven Kaufkraftverlust für die Praxen. Eine wirtschaftliche Praxisführung ist unter diesen Bedingungen kaum noch möglich.
- Zerstörung der Versorgungssicherheit: Der finanzielle Druck zwingt Therapeut:innen dazu, ihr Engagement in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu reduzieren. Die Folge wird eine verstärkte Abwanderung in den Bereich für Privatversicherte und Selbstzahler sein. Kassenpatient:innen, insbesondere Geringverdiener, werden noch länger auf Hilfe warten oder leer ausgehen.
- Gefährdung der neuen Weiterbildung: Die Finanzierung der ambulanten Weiterbildung für angehende Fachpsychotherapeut:innen ist ohnehin prekär. Durch die Honorarkürzung wird es für Praxen finanziell unmöglich, Weiterbildungsstellen anzubieten. Sie gefährden damit direkt die nächste Generation von Therapeuten.
Volkswirtschaftliche Auswirkungen:
Die vermeintliche Ersparnis der Krankenkassen wird die Gesellschaft und den Staatshaushalt ein Vielfaches kosten:
- Produktivitätsausfall: Psychische Erkrankungen sind bereits jetzt die Hauptursache für Fehltage. Eine verzögerte oder mangelhafte Behandlung führt zu längeren Ausfallzeiten und einer Zunahme von Frühverrentungen.
- Folgekosten durch Chronifizierung: Eine „billige“ Therapie, die nicht stattfindet, wird zur teuren stationären Behandlung. Die Kosten für einen Tag im psychiatrischen Krankenhaus übersteigen die Kosten einer ambulanten Therapiestunde massiv.
- Belastung der Sozialkassen: Unbehandelte psychische Störungen führen oft zu sozialen Krisen, Arbeitslosigkeit und einem erhöhten Bedarf an Transferleistungen.
Meine Forderung: Ich fordere Sie auf, sich für eine sofortige Korrektur dieser Entscheidung und eine leistungsgerechte Erhöhung der Honorare einzusetzen, die mindestens die Inflationsrate der letzten Jahre ausgleicht. Die psychische Gesundheit der Bürger darf nicht als Steinbruch für kurzfristige Sanierungsbemühungen der Krankenkassen dienen.
Mit freundlichen Grüßen
[Direkt E-Mail senden]
Betreff: Abwertung der Psychotherapie ab April 2026
Guten Tag,
die geplante Abwertung der ambulanten Psychotherapie um 4,5% ab April 2026 ist angesichts der monatelangen Wartezeiten für Patient*innen schwer nachvollziehbar.
Psychische Erkrankungen verursachen jährlich über 130 Milliarden Euro volkswirtschaftlichen Schaden, während ambulante Psychotherapie nur etwa 4-5 Milliarden Euro kostet.
Studien zeigen zudem, dass jeder investierte Euro zwei bis vier Euro an Folgekosten einspart.
Deshalb hoffe ich auf Ihre Unterstützung. Setzen Sie sich für eine Stärkung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung ein. Und für eine Rücknahme der stattfindenden Abwertung psychotherapeutischer Leistungen.
Derzeit stehen XXX Menschen bei mir auf der Warteliste/Ist die Warteliste geschlossen/Ich warte seit XXX Monaten auf einen Therapieplatz.
Mit freundlichen Grüßen