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Nein zur Kürzung.

Eine Kürzung der Honorare um 4,5% in der ambulanten Psychotherapie, ab heute [Protest gegen die Honorarkürzung in der Psychotherapie]. Das Aktionsbündnis Psychotherapie engagiert sich dagegen und für eine bessere psychotherapeutische Versorgung in Deutschland.

Zahlreiche Psychotherapeut*innen, die in Aus- und Weiterbildung und Studierende kamen für mein Videoprojekt zusammen, um eine Botschaft gegen die Kürzung und für eine bessere Versorgung zu übermitteln. Der Text steht unter dem Video zum Lesen bereit.

Wir sind die Psychotherapeut*innen und Therapeut*innen in Ausbildung, die Psycholog*innen und Psychologiestudierende, die sich für deine psychische Gesundheit und die der Gesellschaft in Deutschland einsetzen. Am 11.03.2026 wurde im gemeinsamen Bewertungsausschuss beschlossen, die Vergütung ambulanter Psychotherapie um 4,5 % zu kürzen. Die Honorare seien zu hoch, hieß es nach dem Durchsetzen der Krankenkassen. Dabei verzeichnen psychotherapeutische Praxen bereits den niedrigsten Reinertrag unter den fachärztlichen Gruppen. Nach vergleichbarem Studium und jahrelanger Ausbildung verdienen wir also weniger als andere. Um mit niedrigerem Honorar dasselbe Geld wie vorher zu verdienen, müssen 2–4 Stunden pro Woche zusätzlich gearbeitet werden. Dabei können wir unsere Arbeit selbst nicht skalieren – es gibt keine Technologie, keine auslagerbaren Aufgaben Denn wir sind immer 50 Minuten pro Patient*in im direkten Kontakt für euch da. Doch Psychotherapie ist kein reines Abarbeiten, das heißt, wir können nicht einfach mehr Patient*innen in einen Tag stecken. Unsere Arbeit fordert hohe Konzentration, eine emotionale Verfügbarkeit, Einfühlsamkeit, Vertrauen und Reflexion.  Das einfach 2–4 Stunden mehr pro Woche zu tun, um uns weiter über Wasser zu halten, geht nicht. Wir leisten zahlreiche zusätzliche Arbeiten, wie Terminkoordination, E-Mails beantworten, telefonische Sprechzeit, Fortbildungen, Befunde schreiben, Unterlagen bereitstellen und vieles mehr.

Die Honorarkürzung kann bedeuten, dass Kolleg*innen Kassensitze abgeben oder mehr private Patient*innen annehmen. Für gesetzlich versicherte Patient*innen bedeutet das: Weniger verfügbare Therapieplätze. Längere Wartezeit. Schon jetzt warten Betroffene durchschnittlich 100 Tage nach der Sprechstunde auf den Beginn einer Therapie. Das sind Wartezeiten, die sich psychisch erkrankte Menschen selten leisten können. Vor allem, man sich während der Suche bereits in einer Krise befindet. Durch die Kürzung der Honorare wird sich die Versorgung für gesetzlich Versicherte mit psychischen Erkrankungen noch verschärfen.  In einer Zeit multipler Krisen gibt es für die Gesellschaft also weniger ambulante psychotherapeutische Versorgung.

Stattdessen erwarten uns mehr psychische Krisen, mehr krankheitsbedingte Ausfälle und stationäre Aufenthalte. Alles, weil an uns gespart wird. Das spüren nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch andere Stellen und Berufe. Eltern finden keine eigene Therapie mehr und auch die Kinder- und Jugendlichentherapie fehlt. Andere Arztpraxen erleben den Stress und die Belastung der Menschen. In Kitas und Schulen wird die Psychotherapie fehlen – für Angestellte, Kinder und Jugendliche. Ambulante Angebote, wie Familienhilfen oder ambulant betreutes Wohnen, werden noch verzweifelter für Klient*innen Unterstützung suchen. Stationäre Einrichtungen wie in der Kinder- und Jugendhilfe werden vergeblich nach angemessener Hilfe für Klient*innen suchen. Für die Fachkräfte in diesen Bereichen heißt das: Mehr Stress und Belastung auffangen und erleben.

4,5 % sparen auf Kosten eurer psychischen Gesundheit. Das nehmen wir nicht hin. Deshalb stehen wir geschlossen und solidarisch mit dem Aktionsbündnis Psychotherapie zusammen. Wir haben uns bundesweit zusammengeschlossen und organisieren Demonstrationen, reichweitenstarke Aktionen und Sichtbarkeit in Presse und Politik. Denn es geht hier nicht nur um unser Geld und unsere Wirtschaftlichkeit. Es geht um die psychische Gesundheit der ganzen Gesellschaft. Wir wollen unsere Patient*innen und Klient*innen nicht im Regen stehen lassen! Geht mit uns auf die Straße, wenn wir demonstrieren. Steht uns zur Seite und lass uns sagen: Jetzt wird es laut. Wir müssen Psychotherapie sichern.

Ein großes Dankeschön für eure Arbeit und euer Engagement!
(in der Reihenfolge wie im Video und die Benutzernamen sind jeweils für Instagram)

Lisa Hartmann (@liselottes_gedankenreise)
Dr. Janne Benjes (@dr_janne_benjes)
Elli Kutscha (@elli.kutscha)
Isabel Prestel
Sascha Heller (@medienmonolog)
Malin Wappelhorst
Dr. Rammiya Gottschalk (@dr.rammiyagottschalk)
Amanda Nentwig (@psychologin.amanda.nentwig)
Dr. Julia von Bodman (@juli.a.petra)
Eva
Christopher Schön (@schoen_achtsam)
Dana Kroh (@minu_and_the_mind)
Eberhard Schlie (@eberhardschlie)
Dr. Stephanie Kossow (@dr.stephanie.kossow)
Katrin Westendorf (@equinality)
Juliana Wiechert (@juliana.palstek)
Marlon (2. Semester KliPP, Mitglied bei @barrierefreizeit)
Anja Saegeling (@xnjx_1622)
Dr. Daniela Galashan (@liebeundhirn)
Laura Vo
Scherief Ukkeh
Daniel Niewrzol (@mrmentalmedic)
Nina Ströhlein (@wir_miteinander)
Elena
Ines Schelhas (@schinmuc6791)
Luisa (@lupin_now)
Janina Allers
Anatol Bräunig (@psychotherapie.wissen)
Karoline Mennecke
Dirk
Wulf Hohensee (@hocherfreud_podcast)